Unbehandelte Sheabutter: Der Allrounder für alle Haartypen – Glattes Haar

Sheabutter auch für meine Haare?

Unbehandelte Sheabutter ist bekannt für ihre nahrhaften Eigenschaften, insbesondere was die Pflege der Haut und der Haare betrifft. Ja, man könnte sie sogar essen. Im Internet gibt es unzählige Informationen darüber, wie man seiner Mähne mit diesem nahezu magischen Naturprodukt etwas Gutes tun kann.

Bei der Recherche für diesen Blogeintrag ist mir jedoch aufgefallen, dass sich die meisten Artikel und Blogs über die Haarpflege mit Sheabutter lediglich auf lockige Haare konzentrieren. Wie schade! Schließlich eignet sie sich perfekt für alle Haartypen; obgleich der Erfolg der gewählten Pflegeroutine stark von der Art und Weise abhängt, wie die Butter verarbeitet wird.

Um nichts und niemanden außen vorzulassen, erklären wir euch in unserer Reihe von Artikeln, wie ihr bei eurer Haarpflege den besten Nutzen aus Sheabutter zieht und dabei nach dem Motto DIY eurer Kreativität freien Lauf lassen könnt. Jeder Artikel behandelt einen der vier Haartypen – nach der Curly Girl Methode klassifiziert; also glatt, wellig, lockig und kraus – und erklärt dessen Eigenschaften und die entsprechende Pflegemethode mit unbehandelter Sheabutter. Erster Stopp: glattes Haar! 

Ist unbehandelte Sheabutter wirklich für alle Haartypen geeignet?
Auch für die Straight Hair Community?

Eins vorweg: Glattes Haar ist nicht gleich glattes Haar. Ein kurzer Blick in das (Curly Girl Methode)-Handbuch zeigt, dass der Haartyp nicht einzig und allein bestimmt, wie das Haar zu pflegen ist. Viel mehr spielen andere Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise die Porosität der Haare (hair porosity).

Das Porositäts-1x1

Wie porös deine Haare sind, egal ob du sie sleeky straight oder stark gekraust trägst, bestimmt die Beschaffenheit deiner Haarkutikula – der äußersten Schicht deiner Haarsträhne. Ist diese Schicht besonders undurchlässig, so spricht man von niedriger Porosität (low porosity). Jener Haartyp zeichnet sich besonders dadurch aus, dass er nur schwer Feuchtigkeit aufnimmt, diese aber, sobald sie ins Haar eingedrungen ist, auch besonders langsam wieder abgibt. Haar mit niedriger Porosität braucht meist länger zum Trocknen; es wehrt sich oft gegen Farbbehandlungen und andere chemische Prozesse. Das Haar ist dafür meist glänzend und schaut gesund aus.

Das Gegenteil davon bildet Haar mit einer durchlässigen Schuppenschicht, welches kein Problem damit hat, Feuchtigkeit aufzunehmen, diese aber so schnell wie möglich wieder loswerden möchte. Frizz ist für Menschen mit stark porösen Haaren leider oft eine Alltagsrealität.
Im Englischen existiert zudem eine dritte Bezeichnung – medium porosity hair – für Haar, das leicht Feuchtigkeit und Nährstoffe aufnimmt und diese auch nicht wieder abgibt. Im Deutschen wird meist „normale Porosität“ dazu gesagt, doch klingt „medium porosity“ für mich neutraler. Glattes Haar wird fast immer mit einer mittleren oder niedrigen Porosität assoziiert.

…meiner Meinung nach ein großer Fehler!

Tatsächlich kann jeder Haartyp mehr oder weniger porös sein. Viel daran ändern kann man auch nicht, denn dies ist zumindest teilweise genetisch bedingt. Das kann also bedeuten, dass zwei Personen mit ähnlich glattem Haar jeweils andere Haarprodukte benötigen. Hinzu kommen Unterschiede in der Haardichte, welche auch Einfluss auf die Pflegeroutine haben kann. Man sollte sich bei der Haarpflege also keinesfalls nur am Aussehen der Haare orientieren!

Wenn du wissen möchtest, wie du die Porosität deiner Haare ganz bequem zu Hause bestimmen kannst, dann schau doch bei lockenpflege.de vorbei.

Was bedeutet das nun konkret für die Pflege glatter Haare mit Sheabutter?

Viele Menschen mit glatten Haaren schrecken oft vor der Nutzung von reinen Ölen zurück, da sie das Haar fettig aussehen lassen können.
Die Sorge ist berechtigt, denn Menschen mit glatten Haaren benötigen im Vergleich meist eine geringere oder manchmal sogar gar keine externe Pflegezufuhr. Dass liegt daran, dass eine gesunde Kopfhaut Talg produziert, um Kopfhaut und Haar natürlich zu schützen und zu pflegen. Glattes Haar profitiert von diesem Prozess am meisten, denn durch die gleichmäßige Struktur kann sich der Talg leichter entlang des Haars verteilen. Dir die Haare mit einer Bürste aus Naturborsten zu kämmen kann diesen Prozess sogar unterstützen.

Nichtsdestotrotz braucht es auch für gesundes, glattes Haar neben einer ausgewogenen Ernährung mit ausreichend Nährstoffen häufig eine Extra-Pflege. Diese kann dem Haar sehr gut durch natürliche und unbehandelte Pflanzenfette wie Sheabutter zugeführt werden.

Sheabutter weist in ihrer Zusammensetzung ein breites Spektrum an wertvollen Eigenschaften auf, welche der Gesundheit des Haares beitragen. Unbehandelte und traditionell hergestellte Sheabutter (das Wort „unbehandelt“ wird in diesem Blogpost mit Absicht betont!) durchläuft einen schonenden Herstellungsprozess – es gehen somit weniger Nährstoffe verloren als bei raffinierter Sheabutter. Dadurch bleibt ein besonders hoher Vitamingehalt in der Butter enthalten. Beispielsweise stärkt reichlich vorhandenes Vitamin A das Haar, macht es besonders geschmeidig und trägt dem Wachstum bei. Neben anderen vorhandenen Vitaminen wie Vitamin E und F besitzt unbehandelte Sheabutter vor allem viele essenzielle Fettsäuren. Sheabutter dringt in die tiefsten Haarschichten ein und hilft somit dabei, Feuchtigkeit zu speichern, Glanz zu verleihen und Frizz zu reduzieren. Ausserdem weist Sheabutter einen besonders hohen Anteil an Unverseifbarem auf – dadurch bleibt sie länger am Haar haften, denn ihre Bestandteile lösen sich nicht so leicht im Wasser auf.


Je nachdem, wie porös dein Haar ist, kannst du beispielsweise auf Hitze-Styling-Tools (mit Vorsicht zu genießen!) wie Haarföhne oder Trockenhauben zurückgreifen, um die Schuppenschicht zu öffnen. Bei Haartypen mit niedriger Porosität kann die Sheabutter so leichter eindringen. LASOYI empfiehlt hier bei Glatthaarigen erstmal eine rosinengroße Menge. Das kann zum Beispiel nach dem Duschen passieren. Zerreibe hierfür die Sheabutter zunächst in deinen Händen und massier sie anschließend ins feuchte(!) Haar. Es ist wichtig, dass die Sheabutter immer auf feuchtem Haar angewendet wird. Nur so kann sie gut aufgenommen werden und das Haar wird mit Feuchtigkeit versorgt. Alternativ kann die Sheabutter vor der Haarwäsche auf der feuchten Kopfhaut und in das feuchte Haar einmassiert werden. Anstelle von Wasser kannst du zum Beispiel auch ein hochwertiges Aloe-Vera Gel als Feuchtigkeitsspender verwenden. Diese Methode kann man auch gut über Nacht anwenden.


Wenn für dich pure Sheabutter in der Handhabung zu schwer ist oder du noch weitere Öle integrieren möchtest, dann probier doch mal eines der DIY-Rezepte für eine einfache, fluffige Sheasahne aus! Die ist sowohl für die Haut als auch für das Haar klasse.


Lockenkopf Zuhause?
Hier geht’s zum kompletten LASOYI-Haarguide.  

Über die Autorin

Daphne hat vor kurzem ihr Studium der Transkulturellen Kommunikation in Wien abgeschlossen und studiert Internationale Entwicklung. Sie ist sehr reisefreudig – ein Gefühl, das sich besonders in den kalten Wintermonaten verstärkt – und verbringt deshalb sehr viel Zeit in Lateinamerika. Daphne ist Teil der Wiener Schwarzen- und PoC-Community und sieht POC-sensible Werbetexte, Artikel und Übersetzungen als einen wichtigen Beitrag für das Empowerment der deutschsprachigen BIPoC-Community. Erreichen kannst du sie auf Instagram @empowered.stories oder per Mail: Daphne.Nechyba@gmail.com